Resolutionen
Weltbund Methodistischer Frauen 10. Vollversammlung 14.-21. Juli 2001 Loughborough, England
Einleitung
Um eine kontinuierliche Weiterarbeit an den nachfolgenden Themen zu garantieren, empfehlen wir, dass die Regionen und Länder des Weltbundes ...
- gewährleisten, dass sämtliche Resolutionen an den Methodistischen Weltrat und an alle Ebenen der kirchlichen Strukturen weitergegeben werden.
- die Resolutionen nach Prioritäten ordnen und dabei festlegen, welche zuerst abgearbeitet werden sollen. Anschließend sollen angemessene Projekte und Programme entwickelt und umgesetzt werden, wobei Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten gesammelt werden.
- Entwicklungsprozesse und Fortschritte in der Umsetzung dieser Resolutionen durch die Regionen und Länder erheben, um anlässlich der Regional-Seminare und der 11. Vollversammlung im Jahr 2006 darüber berichten zu können.
Wir betonen, dass bei allen Themen, zu denen Resolutionen verabschiedet wurden, Armut eine Schlüsselfunktion in der Erfahrung der meisten Frauen, Männer und Kinder darstellt. Es dürfte bei der Umsetzung dieser Resolutionen hilfreich sein, sich zunächst auf jene Menschen zu beziehen, die unterhalb der Armutsgrenze leben.
Gender Justice - Gerechtigkeit für die Geschlechter
In vielen Ländern erfahren Frauen nach wie vor Benachteiligungen durch Gesetzgebung und kulturelles Verhalten. Dazu gehören Bedrohung, Entrechtung sowie Einstellungen, die durch die Kirche verstärkt worden sein könnten.
- Wir rufen die NRO (NichtRegierungsOrganisationen) und die Vereinten Nationen auf, die durch den Aktionsplan von Peking vorgesehenen Instrumente und Resolutionen weiter zu entwickeln.
- Wir fordern die Kirchen heraus, die ganze Bandbreite von Möglichkeiten für die Rolle von Frauen in Kirche und Gesellschaft anzuerkennen und zu bestätigen und durch ihr Handeln die säkularen Organisationen zu unterstützen, die Ermächtigung von Frauen fördern. Wir anerkennen, dass manche Frauen mit speziellen Lebenserfahrungen und Bedürfnissen - zum Beispiel Frauen mit Behinderungen, Witwen, Singles, Lesbierinnen und Frauen, die mit besonderen negativen traditionellen und kulturellen Bräuchen leben - spezielle Unterstützung, Dienste und Zuwendung brauchen.
- Wir drängen den Weltbund Methodistischer Frauen, diese Fragen in Regionalseminaren zu berücksichtigen und zu prüfen, wie Frauen befähigt werden können, verantwortungsvolle Positionen in Kirche und Gesellschaft sowohl örtlich als auch auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen.
Kinder
Kinder sind ein Geschenk - unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Dennoch leiden Kinder nach wie vor in aller Welt an Benachteiligungen, Armut und allen Formen von Missbrauch, so dass ihnen ihr wahres Recht, als Kinder aufzuwachsen, verweigert wird. Wir bekräftigen die Entwicklung des UNICEF-Programms "Educating Girls Transforming The Future / Erziehung für Mädchen zur Gestaltung der Zukunft".
Wir anerkennen, dass Kinder mit speziellen Lebenserfahrungen spezielle Fürsorge brauchen, zum Beispiel Kindersoldaten, durch AIDS oder Kriegshandlungen verwaiste Kinder sowie durch Kindesmord bedrohte weibliche Kinder.
- Wir drängen die Kirche, Kinder als gleichberechtigte Glieder anzuerkennen, einschließlich jener mit Behinderungen, sowie die Spiritualität aller Kinder ernstzunehmen, zu akzeptieren, zu fördern und wertzuschätzen.
- Wir drängen die Kirche, ihre wichtige Rolle in der Erziehung von Kindern und bei der Entwicklung aller ihrer Möglichkeiten auszuüben.
- Wir drängen den Weltbund in seinen Regionen und Ländern auf die Beschlüsse der 2. Weltkonferenz für Kinder, die im September 2001 in New York stattfinden wird, zu reagieren.
- Wir drängen die Mitglieder des Weltbunds, auf lokaler Ebene zu handeln und alle NROs und Behörden dabei zu unterstützen, sichere Unterkünfte für Kinder, die auf der Straße leben und arbeiten, zur Verfügung zu stellen.
- Wir drängen den Weltbund, Regierungen durch Kampagnen und Lobbyarbeit zur Gesetzgebung zu veranlassen, die Kinder davor bewahrt, pornografischen Darstellungen, Gewaltdarstellungen im Internet und dem Zugang zu gewaltverherrlichenden Spielen ausgesetzt zu sein.
- Wir drängen den Weltbund, auf eine Veränderung der Auffassung über die Rolle der Frauen in der Gesellschaft hinzuarbeiten, indem Mädchen eine gute, qualifizierte Ausbildung und Laufbahnberatung erhalten und dadurch befähigt werden zu erkennen, dass sie ihre eigenen Lebensentscheidungen treffen können.
- Wir drängen den Weltbund, sich in seinen Gremien über die UNICEF-Programme zu informieren und bei ihrer Umsetzung zu helfen, wo immer dies möglich ist.
- m Blick auf den physischen, sexuellen und emotionalen Missbrauch von Kindern drängen wir den Weltbund, die Regierungen der Welt unter Druck zu setzen, diesen Missbrauch einzugestehen. Sie sollten darüber hinaus angemessene Bestrafung und Resozialisierungsmaßnahmen für Straftäter sowie die Beratung von Opfern und ihren Familien einführen, die Bevölkerung durch Bildungsarbeit in die Lage versetzen, Missbrauch zu erkennen und Eltern anleiten, Zutrauen in ihre Kinder zu entwickeln, um Kommunikation und Vertrauen zu ermöglichen.
HIV / AIDS
Seit der Resolution des Weltbundes zu Frauen und Aids von 1996 haben das Auftreten von und die Kenntnis über HIV/Aids dramatisch zugenommen. HIV/Aids ist von einer Bedrohung der Gesundheit zu einer Bedrohung der Entwicklung geworden.
- Wir rufen deshalb Kirchen und Regierungen auf, in enger Zusammenarbeit mit Behörden und NROs Bildungsprogramme für den Kampf gegen HIV/Aids zu intensivieren.
- Im Rahmen von Bildungsprogrammen sollte die Information über alle Formen der Übertragung verstärkt werden um Stigmatisierung und Diskriminierung - besonders von Frauen -zu begrenzen. Wir drängen darüber hinaus Frauen und Kirchen, schädlichen traditionellen Bräuchen entgegenzutreten, die die Verbreitung von Aids fördern.
- Personen, die mit HIV/Aids leben, sind Teil unsrer Familie. Wir fordern uns selbst und andere heraus, im Umgang mit unserer Sprache bei der Beschreibung ihrer Situation sensibel zu sein.
- Wir rufen den Weltbund auf, zu bekräftigen, dass Familien - soweit sie dazu in der Lage sind - Aids-kranke Familienmitglieder unterstützen.
- Wir drängen den Weltbund, sich internationalen Kampagnen anzuschließen um globale Pharmazie-Unternehmen zu ermutigen, bezahlbare Medikamente, einschliesslich Generika, für Aids-Kranke bereitzustellen.
- Wir drängen den Weltbund, alle Regierungen der Welt zu ermutigen, angemessene Mittel vorzusehen für Langzeitprogramme für die Forschung, die Prävention, die Beratung, die Erprobung von Medikamenten und die Betreuung von Menschen, die an Aids erkrankt sind und deren Angehörige.
Rassismus
Rassismus ist in den meisten Ländern endemisch und ist der Hauptgrund für ethnische Konflikte, die zu Gewalttaten und Kriegen führen.
- Wir drängen den Weltbund, die Regierungen durch die Vereinten Nationen und die Kirchen aufzufordern, ethnischen Konflikten und Rassendiskriminierung entgegenzutreten und sie zu beenden indem allen Menschen gleiche Entfaltungsmöglichkeiten angeboten werden. Zusätzlich sollen Bildungsprogramme entwickelt werden, die den Menschen helfen, Vielfalt zu schätzen, kulturelle Unterschiede anzuerkennen und positive Maßnahmen zu ergreifen. Wir empfehlen, dass Frauen jede Möglichkeit eröffnet wird, sich an friedensstiftenden Maßnahmen zu beteiligen.
- Wir drängen den Weltbund, in den Regionen und Ländern auf die Aktionen zu reagieren, die von der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und damit verbundener Intoleranz, die im September 2001 in Durban stattfindet, vereinbart werden.
Gewalt
Gewalt gegen Frauen findet weiterhin auf viele Weise statt: Häusliche Gewalt (einschliesslich Vergewaltigung in der Ehe), erzwungene Ehe, die Verschleppung von und der Handel mit Frauen und Mädchen. Die Rechte von Frauen werden zur Zeit in bestimmten Ländern, zum Beispiel Afghanistan, dramatisch und systematisch untergraben. Dies geht soweit, dass Frauen und ihre Kinder sterben, nachdem ihnen die Möglichkeit zu arbeiten um ihre Familie zu ernähren genommen wurde. Wir empfehlen und drängen Frauen, sich an der Dekade des Weltrats der Kirchen zur Überwindung von Gewalt zu beteiligen.
- Wie bereits 1996 drängen wir den Weltbund in seinen Regionen und Ländern, die Regierungen durch Lobbyarbeit aufzufordern, die Maßnahmen der Konvention zur Überwindung aller Arten von Diskriminierung gegen Frauen (CEDaW) umzusetzen und sich im Blick auf spezifische nationale Formen des Missbrauchs von Frauen an Kampagnen zu beteiligen, die die internationale Gemeinschaft alarmieren.
- Wir drängen den Weltbund, seine Kirchen, Länder, Konferenzen bzw. Synoden herauszufordern, auf die Opfer von Missbrauch zu hören, ihnen zu glauben, sie zu unterstützen und zu schützen. Den Tätern zu helfen, ihr missbräuchliches Verhalten ansprechen zu lernen. Und das Schweigen, das dieses Thema umgibt, zu durchbrechen.
- Wir schlagen vor, dass die Gremien des Weltbunds ihre Kirchen herausfordern, Bildungsmaßnahmen für alle zu entwickeln und durchzuführen; Fortbildungsmaßnahmen für PastorInnen und Laien zu initiieren; Vorkommen von Gewalt, die durch theologische Interpretationen bestärkt werden, entgegenzutreten; über gute Praxisbeispiele zu berichten und mit anderen Glaubenden sowie mit lokalen und nationalen Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, zusammen zu arbeiten.
Persönliche und gemeinsame Spiritualität
Der Weltbund bestätigt die Kraft des Geistes Gottes, der in uns und durch uns arbeitet sowie die Bedeutung aller Mitglieder der menschlichen Familie. Wir ermutigen Frauen und Männer zur Zusammenarbeit um ein sicheres Umfeld zu schaffen, in dem jede und jeder gefördert und heil werden kann. Wir ermutigen einander, die Kirche immer wieder daran zu erinnern, dass jedes Mitglied der menschlichen Familie und jede Gemeinde von Gott berufen ist, der Welt ein Beispiel des Friedens zu geben.
(Die vorliegenden Resolutionen wurden von der Vollversammlung des Weltbundes Methodistischer Frauen am 20. Juli 2001 in Loughborough, England, in englischer Sprache beschlossen. Übersetzung: Bodo Schwabe)