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Startseite / Berichte / Bericht vom Frauentag Bergisches Land - Ruhrgebiet - Rheinland am 16.10.11 in Solingen

Hans im Glück oder das Glück loszulassen

Bei wunderschönem Herbstwetter begann der Frauentag mit Luthers Morgensegen und stimmte so auf die gemeinsamen Stunden ein. Regine Stoltze hatte es sich nicht nehmen lassen, als Referentin in ihre ehemalige, langjährige Gemeinde zurückzukehren.

Die fühlbare Erfahrung, wie befreiend Loslassen sein kann, wenn man zuvor einen Gegenstand krampfhaft festgehalten hat, bildete den Einstieg in ein nicht einfaches Thema. Mit Hilfe des Märchens vom "Hans im Glück" führte Regine Stoltze uns durch unsere verschiedenen Lebensphasen.

Während in der ersten Lebenshälfte noch gerne eine neue Lebensphase eingetauscht wird, so wie Hans den kindskopfgroßen Goldklumpen der Kindheit gerne ins schnelle Pferd der Jugend umtauscht, wird die Bereitschaft, eine spätere Lebensphase loszulassen, mit zunehmendem Alter schwieriger. Die "Schweinephase", wenn man an sich selbst denken darf, die Kinder aus dem Haus sind, vieles routiniert von der Hand geht, ist schwer loszulassen. So wird auch Hans die "Gans", entsprechend der Renten-Lebensphase, letztlich aufgeschwatzt. Das Alter fordert seinen Tribut. Manches, wie die Gesundheit, wird einem gestohlen. Aber man sieht das eigene Leben auch aus größerer Distanz, wie die Gans, die fliegen kann.

Viele der Anwesenden des Frauentags konnten sich in diesen beiden Phasen des Lebens gut wiederfinden. Die Märchenauslegung überzeugte uns und änderte bei manch einem die Vorstellung vom "dummen" Hans. Wir entdeckten Hans als Vorbild, der jede Lebensphase zu nehmen weiß, wie sie ist; der loslassen und festhalten kann, wann immer es dran ist. So waren auch wir bereit, in der Andacht am Nachmittag Neues zu erleben und Altgewohntes loszulassen.

In liebevoller Vorarbeit hatten fleißige Hände im Kirchenraum viele Stationen für eine Thomasmesse vorbereitet. Man konnte sich frei im Raum bewegen und von Station zu Station gehen oder einfach nur an einer Stelle verharren. Es gab Orte, um sich segnen zu lassen - für ein Anliegen eine Kerze aufzustellen - meditative Bilder anzusehen - in Büchern zu stöbern - zu tanzen - zu singen - Dinge mit Gott festzumachen und sie, auf Kärtchen geschrieben, mit einem Fingerabdruck zu besiegeln.

Alle Sinne wurden so mit in das Thema hineingenommen, und manch einer hat zum ersten Mal in einem Gottesdienst eine Kerze angezündet. Mit den Strahlen der Sonne, die durch die Glasfenster schien, endete ein begeisternder Tag.

Martina Senftleben

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