Konferenzfrauennachmittag OJK 2010
"Heute schon gefreut?"
Predigt Konferenzfrauennachmittag OJK 2010, Leipzig Monika Schmiedel, Laienpredigerin
1. "Heute schon gefreut?"
"Heute schon gefreut?" so lautet das Thema unseres Nachmittags. Und da liegt es nahe, Sie gleich mal zu fragen: "Wer von Ihnen hat sich denn heute schon gefreut?" "Und wer von Ihnen hat der Freude so richtig Ausdruck gegeben und sich getraut, mal laut zu lachen?" Ja, wenn wir uns freuen, bleibt das anderen meist nicht verborgen. Unsere Muskeln spannen sich an, die Gesichtsmuskeln verziehen sich. An Mund und Augen kann man die Freude sehen. Egal, ob wir schmunzeln, Kichern oder einen Freudenschrei ausstoßen - Freude muss hinaus. Und das ist auch gut so. Wir dürfen uns freuen an dem, was Gott uns schenkt. Gerade an so einem Tag wie heute, wo wir auf viele Bekannte - und Unbekannte - treffen und so königlich bewirtet wurden mit Kaffee und Kuchen. Herzlichen Dank dafür! Und nun sind wir hier in der schön geschmückten, gut gefüllten Kirche froh beisammen - diese Eindrücke sollten wir mitnehmen in unseren Alltag.
2. Freude tut gut
"Habe ich mich heute schon gefreut?" - können wir diese Frage auch an anderen Tagen mit "Ja" beantworten? Klar, wir wissen, dass uns Freude gut tut. Dass Freude wichtig ist für unser Leben. Wie gut Freude ist für den Körper und die Seele, für die Gesundheit und unser ganzes Lebensgefühl - das durften wir ja vorhin bei dem Anspiel hier vorn mit hören. Ja, ich denke, wir haben es alle schon erlebt, wie Freude unsere Stimmung hebt und uns beflügelt. Wie mit Freude vieles leichter geht. Auch ungeliebte Arbeiten gehen uns dann viel schneller von der Hand. Wir haben so ein Frohgefühl. Genauso, wenn wir uns auf etwas freuen. Kinder können vor lauter Vorfreude richtig zappelig werden. Wir auch noch?
Und was ist für Sie eine Gaumenfreude, ein ganz besonderer Genuss? Vielleicht Leipziger Lärchen, Hallorenkugeln oder so ein leckeres Stück Kuchen, wie es ihn vorhin gab? Natürlich freuen wir uns auch über einen Lottogewinn oder eine Reise. Aber es gibt auch tausend Kleinigkeiten, die wir entdecken können und die der Freude wert sind. Die im Alltag leider all zu schnell übersehen werden oder im Einerlei untergehen, die kleinen und unscheinbaren Dinge, die aber auch da sind, in jedem Leben: eine Blume am Straßenrand, eine hübsche Karte, ein freier Platz in der Straßenbahn, ein Kind auf dem Spielplatz, das Lächeln der Verkäuferin, ein Sonnenstrahl. Und schön, wenn uns selbst immer wieder etwas einfällt, wie wir in unser eigenes Leben und auch um uns herum Freude bringen können.
Egal, was es ist: Freude tut der Seele gut. Das können wir auch schon im AT, im Buch Nehemia, nachlesen: "Die Freude am Herrn ist eure Stärke" steht da. Freude gibt uns Stärke und neue Lebenskraft.
Ja, so ein Augenblick der Freude ist eine schöne Abwechslung, wie eine kurze Auszeit in unserem oft so stressigen oder eintönigen Alltag. Wenn wir uns freuen, wenn wir lachen, sind Probleme, Sorgen, Schmerzen, Streitigkeiten auf einmal gar nicht mehr so wichtig und treten einfach in den Hintergrund. Wir bekommen etwas Abstand, einen neuen Blick und können manches wieder leichter angehen. Tja, und wenn uns selber mal nichts einfällt zum Freuen? Dann können wir uns immer noch anstecken lassen mit der Freude eines anderen, dann können wir uns immer noch mitfreuen. Wohlgemerkt: Mitfreude ist etwas anderes als Schadenfreude! Schadenfreude belastet die Beziehung, weil wir über andere herfallen. Schadenfreude hat oft was mit Neid und Missgunst zu tun. Auch Sarkasmus und Ironie sind eher schädlich als heilsam für uns und unsere Mitmenschen. Mitfreude, Freundlichkeit dagegen bringen uns dem anderen näher und lassen mich selber fröhlich werden.
Wie heißt es so schön: Geteilte Freude ist doppelte Freude! Und: "Fang den Tag mit einem freundlichen Gesicht an. Für die Mitmenschen ist ein fröhliches Gesicht wie ein Sonnenstrahl. Wenn etwas schief geht, macht es dir nicht so viel aus. Der eigene Kummer wird kleiner und die Last der anderen leichter… Freundlichkeit ist wie ein Wunder. Freundlichkeit verwandelt den Menschen. Freundlichkeit verändert die Welt." Ja, und wussten Sie, dass das auch uns selbst verändert? Dass Lächeln ein Schönheitsmittel ist? In einer Zeitschrift las ich: "Ein Lächeln - und du wirst schöner!" Na, wenn das nichts ist! Wir sollten es probieren… "Ein Lächeln kostet nichts, bewirkt aber viel… Man kann es nicht kaufen, erbitten, ausleihen oder stehlen… Sollten Sie jemandem begegnen, der keine Zeit für ein Lächeln hat, dann lächeln Sie. Niemand braucht so sehr ein Lächeln wie der, der keins zu verschenken hat" fand ich in einem Artikel.
3. Lachen - Ausdruck der Freude
"Haben Sie sich heute schon gefreut?" Viele von Ihnen haben sich vorhin auf diese Frage hin gemeldet. "Heute schon gelacht?" - das waren nicht ganz so viele. Ja, das finden wir vielleicht manchmal etwas peinlich oder unpassend. Zumal in einer Kirche. Dabei hat uns doch Gott selbst die Fähigkeit zur Freude, den Humor und das Lachen geschenkt! Lachen ist ein Ausdruck von Freude, von Lebensfreude. Und auch ein Ventil: um Stress abzubauen, brenzlige Situationen zu entspannen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. "Lachen ist die beste Medizin" sagt der Volksmund. Und auch Ärzte und Therapeuten bestätigen das. Und weil Lachen so gesund ist, gibt es inzwischen Lach-Seminare, Lachen als Therapie in Kliniken und deutschlandweit mehr als 20 Lach-Clubs. An jedem 1. Sonntag im Mai ist Welt-Lach-Tag.
Die Gelotologie, eine Wissenschaft, die sich mit den Ursachen und Auswirkungen des Lachens beschäftigt, hat herausgefunden, dass Kinder etwa 400 Mal am Tag lachen oder lächeln. Was denken Sie, wie oft das Erwachsene tun? …. Ungefähr 15 Mal oder seltener. Ist es so, dass vielen von uns mit der Zeit das Lachen vergeht? Wie oft haben wir nichts zum Freuen, nichts zu lachen? Ja, geht es uns vielleicht ähnlich wie der Frau Meier in unserem Anspiel vorhin?
Vielleicht bekommen wir es noch hin, für ein Foto kurz zu lachen und auf die Frage "Wie geht's ?" tapfer zu lächeln, aber wie sieht es in uns aus? So richtig freuen, aus tiefstem Herzen - geht das noch? Das Problem ist vielleicht, dass mit den Jahren immer mehr Probleme und leidvolle Erfahrungen auf uns einstürmen, dass wir so viel anderes im Herzen haben, so viel Belastendes, Trauriges, so viele negative Gedanken und Gefühle.
Der Volksmund sagt: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht". Trotzdem - trotz manchem, was anders kommt, als wir es uns wünschen, trotz mancher Schwäche, trotz manchem, was daneben geht… Haben Sie schon mal eine Situation erlebt, in der Sie trotzdem lachen konnten? Was hat die Mutter von Fritzchen wohl getan? Fritzchen fragte sie: "Weißt du eigentlich wie viel Zahnpasta in einer Tube ist?" "Na, meistens reicht es so für 3 Wochen Zähneputzen" meint diese. "Nein, soviel, dass es vom Waschbecken bis zum Sofa reicht!" Oder: Es klingelt an der Tür und ein freundlicher Herr steht draußen. "Guten Tag, ich bin der Klavierstimmer." "Aber ich habe sie doch gar nicht bestellt!" "Ihre Nachbarn haben zusammengelegt!"
Humor ist, wenn man trotzdem lacht…
Ja, mit meinen Mitmenschen ist es manchmal schwierig, auch, weil jeder eine andere Art und eine andere Sicht der Dinge hat. Niemand ist perfekt - und ich bin es auch nicht. Oder: Da gibt sich jemand Mühe und trotzdem geht es schief: Die kleine Tochter soll den Salzstreuer auffüllen und kommt eine Stunde später schluchzend aus der Küche: "Ich schaff's einfach nicht, das Zeug in die Löcher zu stopfen…!"
Oder mein Kind reißt im Garten die Blumen ab, um mir eine Freude zu machen, ich hätte die Blumen ja lieber stehen gelassen… Ich kann mich darüber ärgern, schimpfen, dann ist die Freude dahin - ich kann es aber auch bleiben lassen und es mit Humor nehmen. Ich habe es selbst in der Hand, ob ich mir den Tag vermiesen und die Freude verderben lasse!
Aber, Ihr Lieben, wir wissen auch um wirklich große Nöte. Wie viel Katastrophen, Kaputtes, wie viel Leid und Ratlosigkeit gibt es in der Welt, in unseren Gemeinden, in unserem Leben. Wie Vieles, was nicht in Ordnung ist, was unser Herz schwer macht und worunter wir leiden. Ist es angesichts dessen nicht etwas schwierig, ja sogar unangebracht und gar unmöglich sich freuen?
Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir ja noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Das ändert sich aber schnell …
Kindheit und Jugend könnten Seiten füllen, manches Belanglose, aber auch manche Schlagzeile ist dabei. Wir machen so unsere Erfahrungen, lernen Neues, bald bestimmen Pflichten, Termine unser Leben: Arbeit, Kinder, Küche, Kirche. Geburten, Todesnachrichten, wir hören was so in der Welt los ist und manches davon betrifft vielleicht auch uns. Ja, es sammelt sich vieles an. Wir werden immer dicker - auch das bleibt nicht aus … und dann gibt es Verletzungen, Menschen, die uns zusetzen, Beziehungen gehen in die Brüche, Träume platzen, wir verlieren - vielleicht den Arbeitsplatz, Freunde, die Kinder, Gespartes … vielleicht beeinträchtigt Krankheit unser Leben, Enttäuschungen und Pflichten setzen uns zu. Manchmal gehen wir unüberlegt und unachtsam mit unseren Kräften und Gefühlen um oder hatten einfach keine Chance, uns zu entfalten. Manches Leid fügen wir uns und anderen zu - bewusst oder unbewusst - manches machen wir uns auch selber kaputt durch falsche Entscheidungen, Leichtsinn, verletzende Worte. Und dann ist nichts mehr so glatt und schön und rund und so, wie wir es uns vorgestellt, gedacht, erträumt, geplant haben. Und was ist dann mit der Freude?
5. Wovon hängt meine Freude ab?
Vielleicht sollten wir uns einmal fragen: "Wovon hängt meine Freude eigentlich ab?" Ja, wenn unsere Freude abhängig ist vom Wetter, von dem, wie andere mir begegnen, von unserer Tagesform, von dem was wir uns leisten können, wenn die Freude abhängig ist von dem, was wir so schaffen und vollbringen oder von der nächsten Gehaltserhöhung, dann werden wir u. U. nicht all zu viel zum Freuen haben.
Womit beschäftigen Sie sich gerade?
Die Bibel lenkt unseren Blick weg von uns, weil es ganz wichtig ist, dass wir uns nicht nur um uns selber drehen. Die Bibel zeigt uns einen anderen Grund zur Freude. Paulus schreibt an die Philipper:
"Freut euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freut euch." (Phil. 4,4) Die Hoffnung für alle-Bibel übersetzt diesen Vers: "Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch!" Freude, nicht weil es uns immer gut ginge, nicht, weil wir so toll sind oder Schwierigkeiten nicht wahrhaben wollen, sondern: weil wir zu Gott gehören! Weil Gott uns liebt! Weil Gott eine Verbindung zu uns hergestellt hat.
Gott will uns. Er hat uns das Leben geschenkt und so vieles mehr, dass wir eigentlich immer was zum Freuen finden können. Er hat uns begabt und hat einen Sinn, einen Auftrag und ein Ziel für unser Leben. Jesus will jeden Tag bei uns sein.
Ihr Lieben, wenn das kein Grund zur Freude ist!
Ja, wir müssen nicht mit allem selber klar kommen, mit unserem Leben nicht und nicht mit unserem Versagen. Weil Jesus uns vergeben und uns helfen will, mit den Konsequenzen weiter zu leben oder neu anzufangen. Wir brauchen keine Angst haben, weil Gott für uns sorgen will. Wir sind Gottes geliebte Kinder, erlöst und befreit, wertvoll, egal, wie wir uns gerade fühlen und auch angesichts von Leid und Bedrohung. Wir haben ein Zuhause bei Gott. Ja, wir dürfen jetzt schon dazu gehören zu Gottes Familie. Gott will uns die Stärke und die innere Balance geben, die wir brauchen.
Das alles kann uns getrost, dankbar und fröhlich machen. Ja, wir haben allen Grund zur Freude. Einen Grund, der hält. Auch in schwierigen Zeiten. "Jeder, der glaubt, sollte sich des Lebens freuen" meinte John Wesley. Und Martin Luther: "Wo Glaube ist, da ist auch Lachen."
Ich denke, wenn unsere Beziehung zu Gott geklärt ist, dann könnten wir öfter lachen über die kleinen Missgeschicke des Lebens, weil sie vergänglich sind und nicht die Tragweite haben, die wir ihnen im ersten Augenblick oft zumessen. Dann können wir auch mal über uns selbst lachen - und in schweren Situationen im Vertrauen auf Gott hoffnungsvoll und gelassen nach vorn blicken. Weil wir geborgen sind bei Gott. Im Leben und im Tod. "Freut euch in dem Herrn alle Wege." "Freut euch Tag für Tag, dass ihr zum Herrn gehört" schreibt Paulus.
6. Wie kann ich das machen, mich freuen?
Aber: Wie kann ich das nun machen, mich freuen? Immer nur lachen, immer vergnügt, immer fröhlich sein? Nein. Freude ist ein Geschenk von Gott, eine Frucht, die Gottes Geist uns schenken will.
Lassen wir uns doch beschenken: Beginnen wir den Tag mit einem Lächeln, lernen wir, öfter zu lachen! Dann wird sich auch ein frohes Lebensgefühl einstellen, das ausstrahlt. Das ausstrahlt in unsere Familie, zu unseren Nachbarn und bis in unsere Gemeinden hinein und darüber hinaus. Überall tut uns Freundlichkeit, ein entspannendes Lachen gut. Oft ist es ganz leicht, mir selbst und auch anderen eine Freude zu machen: Ein Dankeschön, ein Lächeln, eine Einladung, ein gutes Wort, Vergebungsbereitschaft, Humor, ein Wort von Gott können ganz viel zum Positiven beitragen.
Ich kann bewusst Ja sagen zu meinem Leben, so, wie es geworden ist, bewusst immer wieder Ja sagen zu Gott. Ihm vertrauen. Das heißt nicht, dass ich Gott nicht bitten, nicht anflehen darf, dass ich mir nichts wünschen dürfte… Aber: dass ich Gott Gott sein lasse, ihm Respekt und die Ehre gebe und letzte Entscheidungen ihm überlasse, wie wir es im Vaterunser beten: "Dein Wille geschehe…"
Die Welt ist voll mit Zeichen seiner Liebe zu uns. Bewahren wir uns die Freude auch an kleinen Dingen. Halten wir Ausschau nach dem Guten, das auch da ist in jedem Leben, wenn auch manchmal ganz klein und leise und unscheinbar. Dann werden wir alle Tage etwas finden was uns freut.
Humor lässt sich lernen, es ist eine bewusste Entscheidung. Fröhlichkeit kann zur Herzenseinstellung werden. Wie sagte Martin Luther? "Ein Herz voll Freude sieht alles fröhlich an, ein Herz voll Trübsal alles trübe." Ich kann mich freuen wollen! Auch wenn uns Manches Grund zur Klage und zur Bitterkeit geben will - lassen wir doch dem Negativem so wenig wie möglich Platz in unseren Gefühlen und Gedanken.
Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: "Wer Christus gefunden hat, der geht mit Freude seinen Weg." Ja, wir können als Christen gelassen leben. Wir haben einen großen Gott. Und eine Freudenbotschaft!
"Freuen wir uns Tag für Tag, weil wir zu Gott gehören." (Phil.4,4) Freude gibt uns neue Lebenskraft. Freundlichkeit verändert die Welt. Lächeln macht schön. Wir haben allen Grund dazu.
Amen





