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Kleider machen Leute

Eigentlich ist Petrus ja meine Lieblingsgestalt in der Bibel. Aber von Frauen und von Kleidung versteht er (bzw. der Schreiber des Briefes) nicht allzu viel, wenn er schreibt: „Macht euch keine Sorgen um äußere Schönheit, die auf modischen Frisuren, teurem Schmuck oder schönen Kleidern beruht“ (1. Petrus 3, 3). Welche Rolle spielen Kleidung und Aussehen in unserem Leben tatsächlich?

In erster Linie meint Kleidung alle Hüllen aus unterschiedlichstem Material, die unsere natürliche Hülle, die Haut, umgeben und abdecken. Kleidung dient als Schutz vor Kälte, Nässe, Sonnenbrand und zum Schutz meiner Intimität. Aktuelle Genanalysen zeigen, dass schon vor etwa 75 000 Jahren regelmäßig Kleidung getragen wurde. Wir kennen heute Kleidung als

  • Business- und Freizeitkleidung, Abendgarderobe, Sportkleidung
  • Berufsbekleidung (Arztkittel, Talar, Uniform) und darin gekennzeichnet die unterschiedlichen Ränge und Funktionen
  • Schutzkleidung (kugelsichere Weste, Schnittschutzhose)
  • Zeichen einer Vereinszugehörigkeit (Tracht)
  • Zeichen einer National- oder Religionszugehörigkeit (Burka)
  • Zeichen eines Amtsträgers oder Mitglied einer Organisation beziehungsweise Gemeinschaft (Kutte)
  • Zeichen bzw. Ausdruck einer Gemütsverfassung (Trauerkleidung)
  • Zeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu bei Jugendlichen

Kleider machen Leute!

In der gleichnamigen Novelle des Dichters Gottfried Keller erfährt der Schneidergeselle Wenzel Strapinski in einer fremden Stadt, dass Kleidung als Täuschung dienen kann. Er wird dort, aufgrund seiner Kleidung, für einen polnischen Grafen gehalten, klärt aber die Verwechslung nicht auf. Prompt verliebt er sich in die Tochter eines angesehenen Bürgers der Stadt und sie sich in ihn, und der Schneidergeselle muss seine Grafenrolle weiterspielen. Bei der Verlobungsfeier wird er entlarvt und flieht. Seine Braut aber sucht und findet ihn, überzeugt sich, dass seine Liebe echt ist, bekennt sich zu ihm und setzt die Heirat durch. Nun kann er mit ihrem Vermögen ein Atelier gründen und bringt es zu Wohlstand und Ansehen. Das Sprichwort, „Kleider machen Leute“, bewahrheitet sich. Wie ist das mit uns heute?




Leute machen Kleider!

1. Mose 3, 7: „In diesem Augenblick bemerkten sie, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter und machten sich Lendenschurze“.

Angefangen hat also alles mit Eva im ersten Buch Mose. War tatsächlich die erste Frau auch Vorreiterin von Kleidungs- und Modebewusstsein?

Später in Vers 21 „…machte Gott, der Herr, Adam und seiner Frau Kleidung aus Tierfellen und zog sie ihnen an.“ Das hat sich ja zum Glück weiterentwickelt …

Ich finde es schön, Menschen zu begegnen, die „etwas aus sich machen“, denen es wichtig ist, geschmackvoll gekleidet zu sein. Unsere Bekleidungsindustrie hat sich voll unseren Bedürfnissen und Wünschen angepasst.

Wir haben eher die Qual der Wahl bei unserem derzeitigen Überangebot an angesagter, „hipper“, bequemer, zeitloser, funktioneller Bekleidung. Wir müssen uns eigentlich nur noch die Frage stellen, wie viel wir für welche Qualität wo ausgeben möchten. Vielleicht kann uns ja Adolph Freiherr von Knigge weiterhelfen: „Kleide dich nicht unter und nicht über deinem Stand; nicht über und nicht unter deinem Vermögen; nicht phantastisch; nicht bunt; nicht ohne Not prächtig, glänzend noch kostbar; aber reichlich geschmackvoll, und wo du Aufwand machen musst, da sei dein Aufwand zugleich solide und schön. Zeichne dich weder durch altväterische, noch jede neumodische Torheit nachahmende Kleidung aus. Man ist in Gesellschaft verstimmt, sobald man sich bewusst ist, in einer unangenehmen Ausstaffierung aufzutreten.“

Na, da stecken doch viele Wahrheiten drin! Aber mir fehlt: Kleide dich so, dass du bist, die du bist! Vielleicht ist es gar nicht wichtig, dass Kleider Leute machen. Viel wichtiger erscheint mir, dass Kleider aus der jeweiligen Trägerin das machen beziehungsweise das bei ihr unterstreichen, was und wie sie ist. Alles andere erscheint mir befremdlich und unpassend. Ich habe es mir abgewöhnt, mich für einen festlichen Anlass einfach nur „schick“ zu machen. Ich möchte solche Anlässe genießen können und dabei gut aussehen. Das gelingt mir aber nur, wenn ich bei mir bleibe und mich nicht einer angesagten, vielleicht für mich unpassenden, enganliegenden Mode unterwerfe. Kleidung, auch modische Kleidung, kann oft ein sehr persönlicher Ausdruck des individuellen Lebensgefühls, einer aktuellen Stimmung sein. Kleidung kann unser Grundbedürfnis nach Anerkennung und Bedeutung, sich selbst und anderen zu gefallen, unterstreichen. Kleidung bedeutet Abgrenzung von der Konformität und unterstützt meine Individualität. Kleidung bringt Abwechslung in mein Leben. Kleidung zeigt, wer ich bin.

Machen Kleider Leute?

So kann ich leider die Anweisung im 1. Petrusbrief an uns Frauen nicht akzeptieren, wenn er sagt, wir sollten uns keine Sorgen um äußere Schönheit machen, die auf modischen Frisuren, teurem Schmuck oder schönen Kleidern beruhe. Unsere Schönheit solle von innen kommen.

Ich denke eher, dass es Gott sehr wohl schätzt, wenn wir unsere Körper als Tem- pel des heiligen Geistes sehen und das auch repräsentieren. Dazu gehören vielleicht nicht unbedingt teurer Schmuck und die neueste Frisur, aber sehr wohl schöne Kleider, die mein Frausein, meine Figur und meinen Typ betonen, die mir schmeicheln und in denen ich mich wohl fühle. Ich glaube nicht, dass „die Welt“ uns Christinnen an bescheidenen „Klamotten“ erkennen soll. Viel mehr liegt es an uns zu zeigen, dass Christen nicht unauffällige und unmoderne Be- kleidungsmuffel sind, sondern, dass wir mitten im Leben stehen, mit der Zeit gehen und attraktive, gut und geschmackvoll gekleidete Menschen sind. Kleider geben vor, Leute zu machen, da können wir nichts dagegen tun. Es gibt aber keinen Grund dafür, uns anders zu kleiden, als es dem entspricht, wie wir sind und wie Gott uns geschaffen hat: Einzigartig und wunderschön.



Judith Bader-Reissing
Stuttgart
Krankenschwester und
Entspannungstrainerin

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