Einzigartig schön
„Sorget nicht“: Schönheit in der Bibel
Auf der Suche nach biblischen Aussagen über Schönheit stieß ich im Neuen Testament auf – fast nichts. Im Alten Testament dagegen wird oft von schönen Menschen berichtet. Da sind zum Beispiel Sara, Rebekka, Rahel, Josef, Mose als Kind, Saul, David, Abigajil, Batseba, Tamar, Absalom, Abischag, Adonija, Wasti, Ester, die Töchter Hiobs, Daniel usw. Es werden Schmuck, Öl und schöne Stoffe erwähnt.
Jerusalem wird bei Hesekiel (Kap. 16) mit einer Frau verglichen, die von Gott selbst aus dem Staub aufgehoben, gesalbt und wie eine Königin herausgeputzt wird. Das Hohelied der Liebe ist voller Vergleiche und Beschreibungen von Schönheitsidealen.
Im Neuen Testament wird nur zweimal zitiert, dass Mose ein schönes Kind war, sonst wird nichts über das Aussehen irgendeiner Person berichtet. Ist Schönheit bei Jesus kein Thema? Wenn jemand etwas von Schönheit versteht, dann aber doch Jesus! Er war dabei, als alles geschaffen wurde, und er war mit menschlichen Augen mitten in dieser Welt. Auch die kleinen Unkräuter nahm Jesus wahr und hat diese Blüten sogar als Beispiel genannt: „Ich sage euch klipp und klar: Selbst der große König Salomo in all seiner Pracht war nicht so wunderbar gekleidet wie auch nur die kleinste Feldblume.“ (Matt. 6, 29*)
Es lohnt sich, den Text in Matthäus 6, 19 - 34 zu lesen. „Sorget nicht…“ meint das Vertrauen, unter Gottes Fürsorge zu leben. Der Blick auf Gott hilft, entspannt mit Schönheitsidealen umzugehen. Heißt das nun für uns: Raus aus dem Wettbewerb der Eitelkeiten und rein in den Wettbewerb um die graueste Maus?
Vor nicht allzu langer Zeit waren in manchen Gemeinden der lange Faltenrock und das hochgesteckte Haar die einzig akzeptable Frauenmode. Aber unter einem züchtigen Auftritt kann sich dieses Sorgen um das Äußere genauso verstecken wie unter Piercing, Tattoo und einer Schicht Schminke. Wie nimmt mich mein Gegenüber wahr? Bin ich in dieser Gruppe so „richtig“? Entspreche ich der Norm? Jesus sagt: „Sorget nicht …“ . Wir brauchen nicht neidvoll vergleichen. Unser himmlischer Vater hat jede von uns ganz einzigartig gemacht. Er will nur unser ungeteiltes Vertrauen.
Sind wir doch ehrlich: Können wir auf Gott schauen und gleichzeitig unser Spiegelbild verneinen? Wir dürfen und sollen uns an dem freuen, was wir von Gott bekommen haben. Wir dürfen uns in der eigenen Haut ungeachtet unserer Kleidergröße wohlfühlen. Wie ein liebevoll und ideenreich geschmückter Vorgarten auf die Bewohner des Hauses neugierig macht, so lädt auch unsere äußere Erscheinung andere ein, mehr von dem Menschen zu erfahren, der in uns steckt.
Offenheit, Wahrhaftigkeit, Liebe und Wertschätzung, die Modelmaße der inneren Schönheit, sind meist erst auf dem zweiten Blick erkennbar. Darf es also Freude machen, sich dem eigenen Geschmack entsprechend zu kleiden, zu schmücken und zu schminken?
Das „Sorget nicht …“ von Jesus bedeutet: Lasst das Thema „Schönheit“ nicht zum zentralen Punkt des Lebens werden. Lasst euch nicht davon in Fesseln legen. Wir sind Gottes geliebte Meisterwerke.

Marion Lucht
Grünhain
Hebamme
