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Andacht

Mit Wellness-Programm zur Macht

Am dritten Tag legte Esther die königlichen Gewänder an und ging in den inneren Hof des Palastes ...
Der König saß gerade auf seinem Thron, der offenen Saaltür gegenüber. Als er die Königin Esther im Hof stehen sah, wandte er sich ihr freundlich zu und streckte ihr das goldene Zepter entgegen ...
Esther 5, 1+2

Ach, wie wunderbar! Ich soll aus biblischer Sicht etwas zum Thema „Schönheit“ schreiben. Ich gehöre zwar nicht zu der Generation, die im Ohr hat, „Wer zu lange in den Spiegel sieht, der hat den Teufel hinter sich“, und ich stamme auch nicht aus einem pietistisch geprägten Elternhaus, muss aber dennoch gestehen, dass mir die Begriffe „Schönheit und Bibel“ auf den ersten Blick nicht so recht zusammen passen wollten. Aber auf den zweiten Blick und durch ein bisschen Nachdenken, Nachschlagen und Lesen ist mir aufgegangen, dass es sich sogar um eine sehr wichtige Sache handeln könnte, die biblisch gesehen ziemlich häufig und fundamental zur Sprache kommt. „Schönheit ist ein Glanz von innen“ – mit diesem Zitat von Rilke will ich diesen so schwierig zu definierenden Begriff nicht in die Trost-Ecke schieben nach dem Motto: „Ach es kommt doch auf die inneren Werte an!“ Nein, wir wissen sehr wohl zu beurteilen, was schön und was hässlich ist.

Ganz spontan: Fallen Ihnen nicht auch all die Frauen wie Sara, Batseba oder Esther ein, die wegen ihrer sagenhaften Schönheit in der Bibel gerühmt werden? Zugegeben, gerade bei den ersten beiden brachte die Schönheit nicht gerade Vorteile, bei Esther jedoch, die wohl durch ihren Liebreiz und ihr außergewöhnlich anmutiges Wesen große Wirkung auf ihren König hatte, sah es schon besser aus. Wie auch immer, ob Schönheit sich positiv oder negativ auswirkt, die Bibel greift in vielen Zusammenhängen auf diesen Begriff zurück. Nur zu menschlich, wie ich meine, denn in der Bibel, dem Werk von Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben, steht dieser Begriff für Liebe und Schmerz, Konkurrenz und Zuwendung, also ganz alltägliche, menschliche Erfahrungen.

Eine schöne Geschichte!

Am Beispiel von Königin Esther möchte ich herausfinden, was die Bibel uns mit dieser „schönen“ Geschichte auf den Weg geben will: Nachdem Esthers Vorgängerin Waschti in Ungnade gefallen war, weil sie ihre Schönheit nicht zur Schau stellen wollte, konnte Esther durch ihr Aussehen die Lücke wieder schließen. Anfangs bescheiden, zurückhaltend, uneitel, fiel sie doch dem König auf und wurde so zur Herrscherin über das persische Volk – und das als Jüdin! Vielleicht hatte der König genug von zu viel Getue und Anbiederei und erkannte in Esther nicht nur „die Schöne“. Später nutzte sie ihre körperliche Ausstrahlung (man beachte das Wellness-Programm kurz vor ihrer Audienz beim König), um durch kluges Taktieren ihr Volk zu retten. Es lohnt sich, das kleine, feine Buch Esther zu lesen!

Schönheit als persönliches Kapital zu sehen, kann manchmal hilfreich sein, aber nur auf die Schönheit zu setzen, ist nicht ratsam und kann eine genau gegensätzliche Wirkung haben. Wir dürfen mit unserem Körper punkten, ihn pflegen und schmücken. Lasst uns den Mut haben, auch über Konventionen hinaus etwas auszuprobieren!

Ein strahlender Sonntagmorgen, ich bereite mich für den Gottesdienst vor, ziehe ein buntes Kleid an oder trage eine auffällige Kette. Ich fühle mich wohl und ich zeige dieses Wohlgefühl auch nach außen. Meine Sinne sind geweckt und ich bin da, vor Gott.



Ute Martin-Knerr
Weissach
Lehrerin

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