Update

Alles, was Atem hat, lobe Gott

Kamerun im Mittelpunkt des Weltgebetstags am Freitag, 5. März 2010



Mit Musik, Tanz und Gesang sind Frauen, Männer und Kinder rund um den Erdball eingeladen, miteinander den Weltgebetstag zu feiern: Gott zu loben und zu danken, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, informiert zu beten und betend zu handeln.

Information zum Land

Kamerun gehört, seit es von den Weißen kolonisiert wurde, zu den unterentwickelten Ländern. Es liegt in der Mitte Afrikas und hat im Laufe der Geschichte afrikanischer Völkerwanderungen viele Menschen aus fast ganz Afrika aufgenommen. Zu Recht nennt sich Kamerun “Afrika im Kleinen”. In seinen Grenzen leben über 200 Völker, die die unterschiedlichsten Traditionen haben und noch viel mehr Sprachen sprechen. Die Amtssprachen sind Englisch und Französisch. Anders als im übrigen Afrika ist Kamerun politisch relativ stabil. Es gibt kaum religiöse oder ethnische Konflikte. Ein schlimmes Übel aber ist die Korruption im zwischen Arm und Reich tief gespaltenen Land. Die Reichtümer des Landes, wie Holz, Bodenschätze, Öl, Kaffee und Bananen, bringen nur wenigen Menschen Gewinn. Über die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.

Zur Situation der Frauen

Die Stellung der Frau in der Gesellschaft ist generell traditionell geprägt. Teilweise sind Frauen im öffentlichen Leben sehr aktiv, vergleichbar mit europäischen Verhältnissen. An anderen Orten dagegen kann ein Gespräch mit Fremden für Frauen völlig undenkbar sein, wie zum Beispiel in manchen Dörfern im Norden Kameruns. Die Männer kontrollieren hier jeden Schritt der Frauen. Die Stellung der Frau variiert zum einen aufgrund der Religionszugehörigkeit, zum anderen aufgrund des Bildungsniveaus der jeweiligen Familie. Frauen sind wichtig für die Wirtschaft im Land. Sie produzieren 70 % bis 90 % der landwirtschaftlichen Güter, beschaffen 90 % des Haushaltsbedarfs an Wasser und Heizmaterial sowie 100 % der Grundnahrungsmittel für ihre Familien. In Kamerun ist Polygamie gesetzlich anerkannt. Traditionell wird die Monogamie als die Ehe der armen Menschen angesehen. Weil jedoch in Krisenzeiten die Polygamie zu teuer wird, geht die formelle Polygamie zurück, umfasst aber immer noch 30 % der Eheschließungen.

Religion, Kirche, Ökumene

In Kamerun sind rund 50 % der Bevölkerung Christen, je zur Hälfte Katholiken und Protestanten. 20 % der Bevölkerung sind Muslime und 30 % praktizieren traditionelle afrikanische Religionen. Ein überwiegender Teil der christlichen Bevölkerung pflegt nach wie vor lokale animistische Bräuche. Sie besuchen traditionale Heilerinnen und Heiler und nehmen an traditionsreichen Feierlichkeiten teil. Neben den religiösen weisen sich hier auch die ethnischen, kulturellen und sozialen Bande als sehr prägend aus. Es gibt eine nahezu unüberschaubare Vielfalt und Zahl an Kirchen in Kamerun. Die ältesten sind die baptistischen Kirchen. Es folgen die reformierten Kirchen und die Römisch-Katholische Kirche. Seit ca. 90 Jahren gib es auch die Siebenten-Tags- Adventisten. Die verschiedenen Kirchen sind unterschiedlich stark im Bereich der Ökumene engagiert. Eine Vorrolle spielten die evangelischen Kirchen aus dem reformierten und baptistischen Spektrum. Wichtig war dabei die Gründung der theologischen Fakultät in Yaoundé 1962. Sie hat immer auch Studierende aus anderen Konfessionen angezogen. Umfassender ökumenischer Geist zeigt sich in Kamerun schließlich auch immer wieder im gemeinsamen Gebet. Der Weltgebetstag bringt jedes Jahr zahlreiche Frauen zusammen.

Liturgie

Das Weltgebetstagskomitee von Kamerun gibt Einblicke in die Freuden, Sorgen und Nöte seiner Bewohnerinnen und Bewohner. Mit Vers 6 aus Psalm 150 “Alles, was Atem hat, lobe Gott” laden sie ein, Gott zu loben, trotz Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Dürre. In ihrem Gottesdienst ermutigen uns die Frauen aus Kamerun, Leben und Alltag neu wahrzunehmen. Die biblische Erzählung von der namenlosen Sklavin mit dem Wahrsagegeist (Apg 16, 1 - 34) ermöglicht es, die Situation junger Frauen und Mädchen in Kamerun in den Blick zu nehmen, wo es heute noch Formen von moderner Sklaverei gibt. Auch der zweite Bibeltext (Jes 42, 10 - 17) spricht von einer großen Befreiung. Der liebende Gott, der die Welt erschuf, ist auch bei uns in Prüfungen und Fehlschlägen und leitet uns Menschen nach seiner Gerechtigkeit. Jesaja ruft auf zum Gotteslob: “Singt dem Herrn ein neues Lied, verkündet seinen Ruf bis ans Ende der Welt.” Mit diesen Texten wollen die Frauen aus Kamerun Mut machen, das Vertrauen in Gott, den Schöpfer, zu bewahren, das Schöne und Gute in der Welt zu sehen und das, was nicht gut ist, zu ändern.


Gudrun Strobel
Reutlingen
Delegierte des Frauenwerks
im Weltgebetstagskomitee

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