Update

Nicht nur die Jugend ist unsere Zukunft!

Interview mit dem Sekretär für Seniorenarbeit

FrauenWege: Wie gehen Gemeinden mit alten Menschen um?

Erwin Ziegenheim: Hoffentlich sehr angemessen! Ich stelle die Rückfrage: Wer sind die “Alten” in den Gemeinden? Seniorenarbeit berührt eine Lebensspanne von vier Jahrzehnten vom Vorruheständler bis zur Hochbetagten. Seniorenarbeit ist wie z. B. Kinderarbeit eine differenzierte Sache geworden. Die “Alten” werden aber oft genug immer noch unter den Vorzeichen “schwach, krank und einsam”, also defizitär, beschrieben. Angemessen mit jüngeren oder älteren Seniorinnen und Senioren umzugehen bedeutet, sich ihnen zuzuwenden, wenn Hilfe nötig ist, und es heißt auch, ihre Kompetenzen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zu entdecken und sie zu ermutigen oder Chancen zu eröffnen, diese auch einzusetzen.

FrauenWege: Was wird von der Zentralkonferenz (ZK) getan, um Senioren zu unterstützen?

Erwin Ziegenheim: Die ZK selbst hat dazu wenig Möglichkeiten. Die Akzente setzen die drei Jährlichen Konferenzen und noch entscheidender die einzelnen Gemeinden. Als ZK-Team für Seniorenarbeit geben wir für Mitarbeitende die Zeitschrift “Horizonte” heraus und wir koordinieren die Öffentlichkeitsarbeit. In den Konferenzen sieht es unterschiedlich aus. Im Süden wurde jetzt eine Stelle mit 25 % genehmigt - für drei Jahre. Ein kleiner Schritt angesichts der wachsenden Zahl Älterer auch in den Gemeinden. Durch die Stelle sollen vor allem Mitarbeitende unterstützt und der Kontakt zur Basis verstärkt werden.

FrauenWege: Wie stellt sich die Kirche zu Seniorinnen und Senioren?

Erwin Ziegenheim: Die ZK und die Jährlichen Konferenzen haben die Wichtigkeit der Arbeit mit und für die Älteren immer wieder betont. Das ist auch nicht schwer - im Gegensatz zu praktischen Schritten oder zur Bezahlung von Personen. In praktische Arbeit umgesetzt werden solche Verlautbarungen aber wohl auch in Zukunft von Menschen, die ein Herz für Ältere haben. Ich freue mich über Jüngere und über “Jungsenioren”, die sich für noch Ältere engagieren. Die Kirche, das sind auch die Gremien, aber in solchen Situationen noch wichtiger die Menschen, die sie mit Leben füllen. Da freue ich mich über jede Rückmeldung oder Rückfrage.

FrauenWege: Inwieweit sind Senioren die Zukunft der Gemeinden oder sind sie nur Zukunftsaufgabe?

Erwin Ziegenheim: Die EmK ist statistisch gesehen ein recht genaues Abbild der Gesellschaft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung in der EmK von Simone Heckmann. Entsprechend der demographischen Entwicklung wird auch in der EmK der Anteil der über 60-Jährigen in ca. 15 - 20 Jahren ein Drittel betragen. Bei einigen Gemeinden ist das schon heute Realität und sie fangen an, das Potential der Älteren auch zum Anknüpfungspunkt für missionarische Arbeit zu nehmen. Das begeistert mich. Die Zukunft der Gemeinde sind engagierte Christinnen und Christen, missionarisch gesinnte Menschen aller Altersstufen - auch der Seniorinnen und Senioren. Aus dieser Aufgabe wird man als Christ nie entlassen, auch wenn sich im Alter die Engagementformen verändern. Die Begleitung von Älteren ist und bleibt eine unausweichliche Aufgabe für die Gemeinden - im Geflecht der verantwortlichen Familien und von ambulanten oder stationären Hilfen. So gewinnt Liebe konkrete Gestalt, das strahlt aus! Ein Auge kann man dabei besonders haben auf die Bewältigung von Übergängen im Alter; ich denke da an Ruhestand, Tod des Partners/der Partnerin, Wohnveränderungen oder an kräftemäßige Einschnitte. Unbekannter und herausfordernder ist es, dass es Gemeinden gelingt, die Kompetenz und Kapazitäten von Jungen Senioren auch für die Gemeindearbeit zu gewinnen. Anregungen und Hilfen dazu sind z. B. auf der Seniorenhomepage (www.emk-seniorenarbeit.de) zu finden - oder bei mir abzurufen.


Erwin Ziegenheim
Neulingen
Pastor

Impressum | Site Map | Datenschutz | Haftungshinweis | Kontakte | © 2009 EmK Frauenwerk |