Update

“Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen ...”

Entwurf für die Praxis

Ziel

Nachdenken über das eigene Lebensalter und dabei die “Spuren des Lebens” wahrnehmen, sie benennen und wertschätzen. Gleichzeitig ein Innehalten, ein “Durchatmen” im Blick auf die Jahre, die noch vor uns liegen. Mit der Frage nach dem Wohin und Wozu am Ende einen ganz persönlichen Ausblick, eine Richtung, aufzeigen.

Vorbereitung

Auf drei große Plakate wird jeweils der Umriss einer Frau/einer Person gezeichnet. Dicke Stifte bereit legen. Karten mit einem Fußabdruck (Fußabdruck zeichnen und fotokopieren).

Einstieg

Jede von uns hat ein bestimmtes Lebensalter erreicht. Wir haben vieles erlebt: Gutes und Schweres, Schönes und Leidvolles, Erlebnisse,über die wir lachen können oder über die wir geweint haben. Wir sind älter geworden, Jahr um Jahr, und es werden noch weitere Lebensjahre dazu kommen.

Impuls (ca. 10 Min.)

In manchen Situationen spüren wir, dass bisher Gewohntes und Getanes nicht mehr so leicht von der Hand geht. Dass manchmal der Körper mit Einschränkungen reagiert, wo er doch vor einiger Zeit ganz normal reagiert hat. Wir spüren die Zeichen der Zeit ganz konkret: Die Augen werden schlechter, der Rücken tut weh, oder ganz besonders das Knie. Wir alle können davon ein Lied singen. Deshalb lade ich Sie ein, in einer ersten Runde diesen Veränderungen nachzuspüren, sie zu benennen und aufzuschreiben. Es darf alles genannt werden, es gibt kein Auswählen oder Bewerten der Äußerungen. Ebenso können Schwierigkeiten genannt werden, die sich nicht unbedingt körperlich äußern: Depression, Ängste, usw.

Dazu wird eines der vorbereiteten Plakate in die Mitte gelegt, und jede Teilnehmerin ist eingeladen, ihre körperlichen Veränderungen, Einschränkungen, zu nennen und aufzuschreiben. (Beispiel: Arthrose in den Knien - dies wird dann zu den Knien geschrieben, nachlassende Sehkraft, Gleitsichtbrille - dies wird zu den Augen geschrieben.) Am Ende der Runde wird das beschriftete Plakat zur Seite gelegt.

Die Lebensjahre haben uns geprägt. Durch das, was wir erlebt haben, sind wir die geworden, die wir heute sind. Durch die Jahrzehnte haben sich viele Erfahrungen angesammelt, haben wir viel Positives erlebt. Nun wird ein zweites Plakat in die Mitte gelegt und wir tragen zusammen, was uns wichtig geworden ist, was wir gelernt haben. (Beispiel: Gefühle wahrnehmen - zum Herzen schreiben.) Am Ende der Runde werden beide Plakate zusammen in die Mitte gelegt. Die Frauen werden eingeladen, die Plakate still zu lesen und auf sich wirken zu lassen.

Gesprächsrunde (ca. 15 Min.)

Es folgt ein Gespräch über die Aussagen auf den beiden Plakaten. Folgende Impulse können aufgenommen werden:

  • Welche Sicht überwiegt im eigenen Leben: Die Sicht auf die Einschränkungen, die wir durch unser fortschreitendes Älterwerden erlebt haben und noch erleben werden? Die Sicht auf die positiven Erfahrungen, die Begegnungen mit lieben Menschen, die hilfreichen Spuren?
  • Unser Leben wird immer wieder durch Verlust und Loslassen, Abschied nehmen von Vertrautem und Liebgewordenem bestimmt. Wie gehen wir damit um? Was gibt Halt, Vertrauen und Zuversicht, sich immer wieder aufzumachen und den nächsten Abschnitt, die nächste Lebensetappe, zu gehen?
  • Das, was wir erlebt haben, was uns geprägt hat, ist wichtig! Es gehört unauslöschlich zu uns. Es macht unsere Persönlichkeit aus - deshalb muss es wertgeschätzt werden.
  • Niemand ist perfekt, und es gibt keine perfekte Lebensgestaltung.
  • Wie kann es gelingen, das eigene Leben mit den unterschiedlichsten Höhen und Tiefen zu akzeptieren?

Impuls (ca. 10 Min.)

Egal, in welcher Lebensphase oder Lebensetappe wir uns gerade befinden, es gibt immer etwas, das wir können. Das wir sogar gut können.

Das letzte Plakat wird in die Mitte gelegt, und die Teilnehmerinnen werden aufgefordert, sich dem zuzuwenden, das sie können, das sie gut können, das sie heute tun und vor allen Dingen, das sie gerne tun! Die Aussagen werden in den Umriss der Person geschrieben.

Ausblick (ca. 10 Min.)

Die drei Plakate liegen neben einander. Dabei soll deutlich werden: Das Leben geht weiter. Wir müssen immer wieder aufbrechen, uns neu auf den Weg machen. Es warten Menschen und Begegnungen auf uns, eine neue Aufgabe, ein neues Ziel, für das es sich lohnt, sich einzusetzen. Dieses Ziel können/dürfen wir für uns selbst entdecken. Die Ziele müssen an der Realität gemessen werden, an der Kraft, die zur Verfügung steht, an den Ressourcen, die jede ganz individuell mitbringt. Diese Ziele können Träume sein, die wir schon lange heimlich gehegt und uns nicht getraut haben. Sie können auch Notwendigkeiten sein, weil jemand anders sieht, dass jetzt hier gerade Einsatz gezeigt werden muss. In der Mitte liegen, neben den beschrifteten Plakaten, die fotokopierten Fußabdrücke und Stifte. Die Teilnehmerinnen sind eingeladen, sich einen Fußabdruck zu nehmen und für sich selbst ein Ziel zu formulieren.

Schlussrunde (ca. 10 Min.)

Wer möchte, kann in einer abschließenden Runde sein gefundenes Ziel nennen. Die Runde schließt mit der Ermutigung, dass es sich lohnt, sich immer wieder auf den Weg zu machen und sein Ziel im Auge zu behalten, ganz egal wie alt wir sind!

Segen (Vorschlag: EM 768)

Alternative

(für Gruppen, in denen Offenheit und Vertraulichkeit schwierig sind):
Alle drei Plakate werden gleichzeitig beschriftet; dazu werden sie jeweils auf einem Tisch ausgelegt und die Frauen beschreiben die Plakate in einer ruhigen Phase mit ihren Gedanken.
Die Impulse werden als Einstieg in einem Block gegeben; der Austausch beginnt dann mit dem ersten Plakat und endet in der Zusammenschau wie unter “Ausblick” beschrieben.


Eva Sautter
Dortmund
Sozialdiakonin

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