Was heißt “alt sein”?
Wann bin ich alt?
Wann ist ein Mensch eigentlich alt? Woran kann er erkennen, dass er alt geworden ist? Ist der Mensch so alt wie er sich fühlt?
Alterskategorien
Für Altersforscher, ebenso wie für die Betroffenen selbst, ist es problematisch - ja fast unmöglich - festzustellen, wo die Grenze für das Eintreten in “das Alter” liegt. Wie in vorangegangenen Lebensphasen auch, gibt es beim Altern sehr große individuelle Unterschiede. Trotz gegenseitiger Beeinflussung stimmen kalendarisches, biologisches, psychischintellektuelles und soziales Alter nur in den seltensten Fällen überein.
Das kalendarische Alter gibt Auskunft darüber, wie viele Jahre ein Mensch bereits lebt. Diese Angabe ist objektiv und vergleichbar, denn jeder, der 1957 geboren wurde, ist älter als einer, der das Licht der Welt 1961 erblickte. Von seinen Genen - seinem Erbgut also - und von seinen im Leben erfahrenen äußeren Bedingungen wird das biologische Alter eines Menschen bestimmt. Es kann demnach sein, dass der 1961 Geborene älter wirkt und sich auch älter fühlt als der 1957 Geborene, weil sein Haar erblich bedingt schon grau und schütter ist, oder weil ihn der Unfalltod seiner einzigen Tochter um Jahre altern ließ. Dem kalendarisch Älteren hingegen blieben Schicksalsschläge erspart und seine Gene garantieren ihm volles, dunkles Haar bis zu seinem 70. Lebensjahr.
Ergebnis eines sehr unterschiedlichen und komplexen Zusammenspieles von Anlagen und Umwelt ist das psychischintellektuelle Alter eines Menschen. Hierbei kommt es darauf an, welche vergangenen persönlichen und gesellschaftlichen Prozesse die Haltung zu sich selbst als Alternden und das Verständnis von Alter und Tod allgemein beeinflussen. Das psychisch-intellektuelle Alter wird auch davon bestimmt, ob ein Mensch Bereitschaft zur Aktivität zeigt oder eher zum Rückzug neigt. Diese Alterskategorie ist wohl die einzige, welche ein Mensch selbst mit zu bestimmen und zu gestalten in der Lage ist. Geistige Aktivität und eine positive Einstellung zum Leben helfen, langsamer psychischintellektuell zu altern. Dies lässt natürlich keine Verallgemeinerung zu.
Soziales Alter orientiert sich an allgemeinen Festlegungen. Dabei geht es um die in einer Gesellschaft üblichen Einteilungen des Alters mit ihren zuge- Was heißt “alt sein”? wiesenen oder angebotenen Positionen und deren Bewertung. Eine Rolle spielen die an das kalendarische Alter gebundenen Verhaltenserwartungen und -vorschriften. Die Lebensjahre, ab denen jemand in unserer Gesellschaft zu “den Alten” gehört oder sich selbst als dazugehörend erkennt, variieren in den sozialen Umfeldern. Bereiche, in denen körperliche Fitness Voraussetzung ist, wie z. B. Polizei oder Bundeswehr, werden ihre Angestellten, wenn sie das 50. Lebensjahr vollendet haben, schon als “Alte” einstufen, während Verwaltungsangestellte dieses Alters keineswegs als solche gelten. Wir sehen also, “das Alter” ist kein allgemeingültiger Zustand, der sich mit einem bestimmten Lebensjahr einstellt. Altern ist ein Prozess, der mit der Geburt eines Menschen beginnt, den aber der eine schneller, der andere langsamer durchläuft.
Die Angst vor dem Altwerden
Die meisten Menschen fürchten die Verluste, die das Alter mit sich bringt. Sie haben große Angst vor dem körperlichen Verfall. Krankheiten und auch Altersschwäche können zum Verlieren der Selbstständigkeit führen, möglicherweise zur Pflegebedürftigkeit. Dauerhaft abhängig sein - welch’ schreckliche Vorstellung. Eine weitere Angst ist die vor dem geistigen Abbau, der Abnahme der Hirnleistung. Vor langsam beginnender Gedächtnisschwäche, die vielleicht in einer Demenz endet, in deren Folge der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sein Leben selbst zu organisieren und seinen Tagesablauf zu gestalten. Die Herrschaft über seine Sinne zu verlieren - für manchen Menschen das Schlimmste, das ihm widerfahren kann.
Mancher erschrickt über den Gedanken, im Alter einsam zu sein. Die Vorstellung, allein, ohne Partner, ohne Freunde zurückzubleiben, weit weg von den Kindern zu wohnen, löst in vielen Menschen Panik aus.
Schließlich ist da noch die Angst vor dem Verlust des Lebens - die Angst vor dem Tod. Dieser steht ganz in der Nähe, klopft an die Tür. Beim betagten Menschen gehört er zur Gegenwart und nicht mehr - wie beim jungen - in die Zukunft. Alt werden und dabei jung bleiben “Im Grunde haben die Menschen nur zwei Wünsche: Alt zu werden und dabei jung zu bleiben.” (Peter Bamm) Was kann der Mensch tun, um sehr alt zu werden? Gute Gene sind zweifellos Voraussetzung, aber leider nicht selbst zu beeinflussen. Wichtig und weitgehend selbst zu steuern ist die “richtige” Lebensweise.
Demografen haben die Zentren der Langlebigkeit in Bergdörfern auf Sardinien, auf Okinawa in Japan und im kalifornischen Loma ausgemacht, berichtet die Zeitung “National Geographic” vom Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen. Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen.
Im Grunde haben die Menschen nur zwei Wünsche: Alt zu werden und dabei jung zu bleiben.
Peter Bamm
Januar 2006.
Weiter steht dort, dass diese Menschen, die in drei so weit voneinander entfernten Gebieten der Erde leben, trotz vieler Unterschiede in Lebensweise und Religion einige wesentliche Gemeinsamkeiten haben. Alle rauchen nicht, setzen die Familie an die erste Stelle, sind jeden Tag aktiv, suchen Gesellschaft, essen Obst, Gemüse und Vollkornprodukte.
Garantien gibt es natürlich nicht. Aber zum Nachdenken und Nachahmen dürfen wir uns davon anregen lassen. Sollten die genannten Vorschläge einer guten Lebensweise dazu geführt haben, dass ein Mensch sehr alt geworden ist und sich bester Gesundheit freut, wie kann er sich nun auch noch jung fühlen? Dazu schreibt Hannelore Schlaffer, eine bekannte Essayistin und Publizistin in ihrem Buch “Das Alter” folgendes.
“Eigentlich gibt es kein Alter, denn wer alt und glücklich ist, kann sich für jung halten.” So einfach ist das also!
Der Mensch ist tatsächlich so alt (oder jung) wie er sich fühlt!
Karin Seidel
Zschorlau
Pflegedienstleiterin
HERR-berge Burkhardtsgrün

